Mai 2013
MO DI MI DO FR SA SO
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YOUNG FILMLOVERS Zoë empfiehlt folgende Filme speziell für Jugendliche
 
In unserem Forum ‚Young Filmlovers’ schreiben junge Filmfans über ihre Arthouse-Lieblingsfilme. Den Anfang macht Zoë Genhart (20), die an dieser Stelle regelmässig Filme aus unserem Programm aussucht und bespricht.

Vielleicht bekommst du auch Lust, anderen jungen Filmfans einen Film aus dem Arthouse Programm zu empfehlen? Melde dich bei der Arthouse Verwaltung.
Weitere Informationen, die für junge Filmlovers besonders interessant sind, findest du unter Schulen.
 
 
Arthouse Movie 2 F/d  12J  Spielzeit: 
 Do  23.05.  15:30 20:45
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Spielzeit anklicken: Tickets
   
POPULAIRE


REGIE:
Regis Roinsard
CAST:
Romain Duris
Déborah François
Bérénice Bejo
Shaun Benson
Mélanie Bernier
Nicolas Bedos
Miou-Miou
PRODUZENT:
Alain Attal
SCRIPT:
Romain Compingt
Daniel Presley
Régis Roinsard
KAMERA:
Guillaume Schiffman
SCHNITT:
Laure Gardette
Sophie Reine
TON:
Olivier Ranquet
AUSSTATTUNG:
Sylvie Olivé
KOSTÜME:
Charlotte David
EFFEKTE:
David Lacaille
VERLEIH:
JMH Distributions SA
jmhsa.ch



POPULAIRE


Ein Film von Regis Roinsard
Sekretärin zu sein, viele Menschen kennen zu lernen, in der Welt herum zu kommen und für wichtige Männer zu arbeiten - davon träumt eine jede Frau in den 1950er Jahren. Und dieser Traum erfüllt sich in Populaire für die aus einem kleinen Dorf der Normandie stammende Rose. Nicht etwa, weil sie, ungeschickt wie sie ist, dafür qualifiziert wäre. Sondern weil sie die Sätze auf der Schreibmaschine schneller tippen kann, als ihr neuer Boss Louis sie diktieren kann. Darin wittert dieser seine Chance und schreibt Rose beim regionalen Schnellschreibwettbewerb ein. Voller Eifer beginnt Louis sein Schützling rundum auf internationales Niveau zu trainieren. Und während er in seiner Rolle als Tipp-Trainer völlig aufblüht, beginnt Rose, angeregt durch sein zuneigendes Verhalten auf mehr als nur den Erfolg als schnellste Frau der Welt zu hoffen.
Wer dem Charme einer alten, mechanischen Schreibmaschine nicht widerstehen kann, wird auch diesem Film nicht widerstehen können. Im Stile der 50er Jahre gehalten und mit einer Reihe wunderbaren Schreibmaschinenmodellen ist Régis Roinsard ein exzellentes Kinodebut gelungen. Der Film überzeugt mit kleinen liebevollen Details ? so wie etwa Roses in verschiedenen Farben lackierten Fingernägeln, die ihr helfen, das Zehnfingersystem zu lernen. Auch die Besetzung lässt nichts zu wünschen übrig. Mit viel Witz tippt sich Déborah Francois als schnellschreibende Rose ins Herz der Zuschauer. Und genauso überzeugend gibt Romain Duris den leicht verschrobenen, aber charmanten Boss an ihrer Seite. Populaire ist das bisschen Kitsch, das uns allen zwischendurch gut tut und die Welt bunter ausschauen lässt.

Zoë Genhart


 



Arthouse Piccadilly 2 E/d  14/12J  Spielzeit: 
 Do  23.05.  21:00
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GINGER & ROSA


REGIE:
Sally Potter
CAST:
Elle Fanning
Christina Hendricks
Annette Bening
Timothy Spall
Oliver Platt
Alessandro Nivola
Alice Englert
PRODUZENT:
Andrew Litvin
Christopher Sheppard
SCRIPT:
Sally Potter
KAMERA:
Robbie Ryan
SCHNITT:
Anders Refn
TON:
Simon Chase
AUSSTATTUNG:
Carlos Conti
KOSTÜME:
Holly Waddington
EFFEKTE:
Martin Madsen
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



GINGER & ROSA


Ein Film von Sally Potter
London 1962. Immer noch die Wunden vom 2. Weltkrieg tragend, steht die Stadt in der Angst vor einem nuklearen Krieg. In diesem London wachsen die beiden Mädchen Ginger und Rosa zu jungen Frauen heran. In derselben Nacht in demselben Krankenhaus geboren, machen die beiden alles zusammen. Doch dann stellt die Kubakrise ihre Welt auf die Probe. Rosa sucht Schutz in der Kirche und klammert sich an die Idee der grossen Liebe. Ginger währenddessen widmet sich vollkommen ihren Gedichten und Protestaktionen gegen die Atombombe. Nachdem sich Gingers Eltern trennen, sucht sie Zuflucht bei einem schwulen Pärchen und deren Freundin, der Poetin Bella. Diese unterstützen Ginger in ihrem Aktivismus. Als dann auch noch Rosas Interesse an Gingers Vater offensichtlich wird, sieht Ginger den einzigen Ausweg aus diesem ganzen Chaos darin, die ganze Welt zu retten.
Die wichtigste Rolle dieses neuen Filmes von Sally Potter (Orlando, Yes, The Man Who Cried) hat sicher Elle Fanning. Als Ginger hat sie mehr als nur eine eindrückliche Szene im Film. Beachtet man vor allem, wie überzeugend Fanning die Rolle der 17jährigen Ginger mit ihren, zur Zeit der Dreharbeiten, 13 Jahren spielt, ist das Ganze umso beachtlicher. Doch auch die restliche Besetzung ist sehr überzeugend. So etwa die australische Newcomerin Alice Englert, welche sich in der Rolle von Rosa von einem Mädchen zur jungen Frau wandelt.
Überraschend ist vielleicht, wie gross die nicht-britische Besetzung dieses britischen Filmes ist. Doch wie Sally Potter berechtigt sagt, ist das England der 60er Jahre nicht das England, das man heute kennt, womit selbst britische Schauspieler sich sprachlich anpassen müssen. Und akzent-technisch gesehen vollbringen die eben nicht-britischen Schauspieler in GINGER & ROSA Höchstleistung. Dieses uns heute nicht mehr bekannte, leicht heruntergekommene London unterstreicht Sally Potter stilsicher mit wunderschönen Aufnahmen. Gelungen ist ihr ein visuell und schauspielerisch grossartiger Film, über zwei Mädchen, die in komplizierten familiären Verhältnissen und turbulenten Zeiten aufwachsen.

Zoë Genhart


 



Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Dietrich Brüggemann
CAST:
Jacob Matschenz
Anna Brüggemann
Robert Gwisdek
Alice Dwyer
Alexander Khuon
Aylin Tezel
Katharina Spiering
PRODUZENT:
Jochen Laube
Fabian Maubach
SCRIPT:
Dietrich Brüggemann
Anna Brüggemann
KAMERA:
Alexander Sass
SCHNITT:
Vincent Assmann
TON:
Jacob Ilgner
Immo Trümpelmann
AUSSTATTUNG:
Kobita Syed
KOSTÜME:
Juliane Maier
EFFEKTE:
Natalie Maximova
VERLEIH:
Cineworx
cineworx.ch



3 ZIMMER / KÜCHE / BAD


Ein Film von Dietrich Brüggemann
Ein Jahr, acht Freunde und 1001 mal Kisten schleppen - 3 Zimmer / Küche / Bad ist ein Porträt einer Generation, deren Leben genau so unbeständig ist, wie ihr Wohnsitz: Dina zieht mit Wiebke, der Schwester ihres besten Freundes Philipp, zusammen. Dieser und Dina müssten eigentlich schon längst ein Paar sein, doch Dina scheint sich für alle Männer ausser ihn zu interessieren. Und dann hat Philipp ja noch eine Freundin, die seinetwegen extra nach Berlin ziehen will. Denn Philipp soll bald die Wohnung ganz für sich alleine haben, da Jessica und Thomas als Pärchen ausziehen wollen. Und dann gibt's natürlich noch die Eltern. Oftmals scheinen diese das Leben noch viel weniger unter Kontrolle zu haben, als ihr Nachwuchs. Unglaublich sympathisch wird diese Ziellosigkeit von einem kleinen Grossaufgebot an jungen deutschen Schauspielern (u.a. Jacob Metschenz als Philipp) verkörpert.
Dietrich Brüggemann gelingt es mit 3 Zimmer / Küche / Bad all die Wirren, die einem das Leben so spielt, auf humorvolle Weise auf die Leinwand zu bringen. Und da bleiben Wiedererkennungsmomente nicht aus. Vor allem wenn man sich etwa in der gleichen Lebenslage wie die Figuren befindet. Der Film bietet hervorragende Situationen, in welchen man sich selbst wiederfinden kann. Seien das nur schon die Vorfreude und der Stolz, welche Dina versprüht bei der Bekanntgabe ihrer neuen Wohnung. Oder auch die Enttäuschungen, welche mit Absagen, so wie Philipp sie immer wieder von Kunstschulen bekommt, verbunden ist. Da der Film grösstenteils in Berlin spielt, bekommt man auch wunderbar viele Berliner Altbauwohnungen zu Gesicht. So dass man glatt neidisch auf Philipp und Co. werden könnte. Und wenn dann der Abspann über die Leinwand läuft, würde man am liebsten einfach weiterschauen. Denn das Leben geht weiter.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Joe Wright
CAST:
Keira Knightley
Aaron Johnson
Kelly Macdonald
Jude Law
Matthew Macfadyen
Olivia Williams
Emily Watson
PRODUZENT:
Tim Bevan
Paul Webster
SCRIPT:
Tom Stoppard
Leo Tolstoy
KAMERA:
Seamus McGarvey
SCHNITT:
Melanie Oliver
TON:
Craig Berkey
MUSIK:
Dario Marianelli
AUSSTATTUNG:
Sarah Greenwood
KOSTÜME:
Jacqueline Durran
VERLEIH:



ANNA KARENINA


An Epic Story of Love
Mit Anna Karenina kommt diesen Winter eine weitere Adaption eines grossen Klassikers in die Kinos. Und erneut ist Joe Wright am Werk, mittlerweile ein Könner, wenn es ums Verfilmen grosser Literatur geht (Pride and Prejudice und Atonement). Jedoch handelt es sich diesmal nicht um ein klassisches Kostümdrama. Fast die ganze Handlung setzt Wright in einem Theater an und wiederspiegelt damit gekonnt die Haltung der russischen Aristokratie des 19. Jahrhunderts. Anna Karenina ist Teil dieser Gesellschaft. Als perfekte Ehefrau steht sie zu Seiten des hohen Petersburger Beamten Karenin. Doch dann tritt Graf Wronski in ihr Leben und eröffnet ihr eine andere Sicht auf das Leben und die Liebe. Gegen jede Vernunft steht Anna öffentlich zu ihrer Liebe und sieht sich auf einen Schlag mit der Verachtung der ganzen Gesellschaft konfrontiert. Anna Karenina ist ein grossartiges Werk über die Liebe in all ihren Formen. Über 1000 Seiten fasst Tolstois Meisterwerk, die Wright gekonnt in gut gefüllte zwei Stunden Film umsetzte. Natürlich fordert dies einen schnellen Erzählfluss. Unterstrichen wird dieser noch durch das sich während den Szenen stets verändernde Bühnenbild. Was anfänglich eine leichte Überforderung darstellt entwickelt bald einen Sog, der einen eintauchen lässt in eine Welt voller wundervoller Kostüme und gesellschaftlicher Anlässe. Und wenn auf diesen Bällen getanzt wird, so erkennt man ganz gut Joe Wrights Handschrift wieder. Bei der Besetzung der Hauptrolle setzt Wright erneut auf seine Lieblingsschauspielerin, die immer wieder überzeugende Keira Knightley. Diesmal spielen an ihrer Seite Aaron Taylor-Johnson und Jude Law, letzterer mit einem weit zurück gesetzten Haaransatz und dafür umso prächtigeren Bart: Alles natürlich nur Maske. Eine gelungene Adaption mit grandioser Besetzung, die es mit ihren unvergleichbaren Bildern vermag des Zuschauers Vorstellungsvermögen für sich zu nutzen und Teil des Ganzen zu werden.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Ian Fitzgibbon
CAST:
Andy Serkis
Thomas Brodie-Sangster
Michael McElhatton
Sharon Horgan
Ned Dennehy
Aisling Loftus
Jane Brennan
PRODUZENT:
Michael Garland
Astrid Kahmke
Philipp Kreuzer
SCRIPT:
Anthony McCarten
KAMERA:
Tom Fährmann
SCHNITT:
Tony Cranstoun
TON:
Christoph von Schönburg
MUSIK:
Marius Ruhland
AUSSTATTUNG:
Mark Geraghty
KOSTÜME:
Kathy Strachan
VERLEIH:
Pathé Films AG
pathefilms.ch



DEATH OF A SUPERHERO


Ein Film von Ian Fitzgibbon
Don alias MiracleMan ist ein typischer Held der Superklasse. In Lichtgeschwindigkeit rettet er Kinder von der Strasse, könnte alle Frauen haben und hat natürlich einen gefährlichen Opponenten: The Glove, welcher ihm mit Hilfe einer sexy Krankenschwester an den Kragen will. Doch die Realität sieht anders aus: Donald Delpe unterscheidet sich in seinen Interessen - Sex, Frauen (die neue, etwas andere Mitschülerin Shelly vor allem) und Partys - nicht gross von anderen 14-jährigen Teenagern. Doch Donald leidet an einer tödlichen Form von Leukämie und scheint den Kampf dagegen aufgegeben zu haben. Zumindest kommunizierte er mit niemandem mehr darüber. Bis er beim Thanatologen Dr. King, oder wie Don ihn nennt, Dr. Death, landet. Dieser findet durch Donalds Bilder Zugang zu dessen Ängsten und Sehnsüchten. Ebenso wir Zuschauer. Ian FitzGibbons Film, Death of a Superhero, schaut sich genauso an, wie sich Anthony McCartens gleichnamige Romanvorlage liest. Wo im Buch Onomatopoesien und Regieanweisungen stehen, da setzt der Film auf Animationen. Entstanden ist so ist ein tiefgründiges Werk über die Psyche eines 14-jährigen Teenagers, der sich mit einem ungemein härteren Schicksal konfrontiert sieht, als die meisten von uns. Gedreht ist der Film in und um Dublin, was wieder einmal nette Akzente mit sich bringt. Vor allem Aisling Loftus als Shelly ist sehr höhrenswert. Aber auch sonst überzeugen die Schauspieler und der kleine schüchterne Paul McCartney aus "Nowhere Boy" ist nirgends mehr spürbar in Thomas Brodie-Sangsters kahlköpfigen und augenbrauenlosen Darstellung des krebskranken Donald Delpes.
Death of a Superhero ist ein unter die Haut gehender Film, bei dem sich nicht nur der Gang ins Kino lohnt, sondern auch ein Blick in die Romanvorlage. Aus diesem liest Anthony McCarten übrigens am 26. Oktober nach der Sondervorstellung von Death of a Superhero im Lunchkino.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Mia Hansen-Løve
CAST:
Lola Créton
Magne Brekke
Olivier Yglesias
PRODUZENT:
David Thion
SCRIPT:
Mia Hansen-Løve
KAMERA:
Stéphane Fontaine
SCHNITT:
Marion Monnier
TON:
Vincent Vatoux
VERLEIH:
Frenetic Films AG
frenetic.ch



UN AMOUR DE JEUNESSE


Ein Film von Mia Hansen-Løve
Wird etwas nicht richtig zu Ende gebracht, so hängt man ewig an dieser Sache. So ergeht es auch Camille (Lola Créton) in Un amour de jeunesse. Erst 15 Jahre alt ist sie überzeugt, die Liebe ihres Lebens im vier Jahre älteren Sullivan (Sebastian Urzendowsky) gefunden zu haben. In jugendlicher Leidenschaft definiert sie sich und ihr ganzes Leben nur noch durch ihn und droht damit die Beziehung zu ersticken. Vier Jahre reifer erkennt Sullivan die Wichtigkeit der eigenen Erfahrungen und verreist nach Südamerika. Doch selbst diese grosse Distanz reicht nicht aus, dass Camille ihn loslässt. Das Einzige was übrig bleibt ist ein radikaler Bruch. Solch einen Bruch findet auch im Film statt und Camille wird sieben Jahre später gezeigt: Sie ist eine fleissige Architekturstudentin. Erstmals seit jenen sieben Jahren lichtet sich ihre Einsamkeit, durch ihre, dieses Mal reifere, Liebe zu ihrem Professor Lorenz (Magne Håvard Brekke). Doch ganz vergessen hat sie ihre Jugendliebe nicht. Und als Sullivan plötzlich wieder auftaucht, muss sich Camille ihren Gefühlen nochmals stellen. Dieser Unterschied, zwischen jugendlicher Schwärmerei und reifer Liebe, wird in Un amour de jeunesse auf eine sehr liebenswürdige Weise gezeigt. Mia Hansen-Løve schafft es eindrücklich, den schmerzhaften Loslösungsprozess einer jungen Frau ins Bild zu bringen, welcher nie wirklich die Chancen geboten wurden mit der ersten Liebe richtig abzuschliessen. Spielen tut dieses kleine Liebesdrama zwischen der hektischen Metropole Paris und dem Landsitz Camilles Familie wo Bilder von sommerlichen Ausflügen die Stimmung langer, heisser und leicht apathischer Sommertage jugendlicher Leidenschaft heraufbeschwören.
Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Benoît Jacquot
CAST:
Diane Kruger
Léa Seydoux
Virginie Ledoyen
Xavier Beauvois
Noémie Lvovsky
Michel Robin
Julie-Marie Parmentier
Lolita Chammah
PRODUZENT:
Jean-Pierre Guérin
Kristina Larsen
Pedro Uriol
SCRIPT:
Benoît Jacquot
Gilles Taurand
Chantal Thomas
KAMERA:
Romain Winding
SCHNITT:
Luc Barnier
TON:
Olivier Goinard
Brigitte Taillandier
MUSIK:
Bruno Coulais
AUSSTATTUNG:
Katia Wyszkop
KOSTÜME:
Christian Gasc
Valérie Ranchoux
EFFEKTE:
Joel Pinto
VERLEIH:
Praesens-Film AG
praesens.com



LES ADIEUX À LA REINE


Ein Film von Benoît Jacquot
14. Juli 1789 - Sturm auf die Bastille, Beginn der Französischen Revolution. Unweit davon entfernt, am Hofe von Versailles, führen der Adel und seine Angestellten ihr sorgloses Leben fort. Erst am nächsten Morgen, als langsam die Neuigkeiten aus Paris die Runden machen, scheint die Realität auch am Hofe einzuschlagen. Die ersten Adligen beginnen Versailles fluchtartig zu verlassen. Doch für Sidonie Laborde, die Vorleserin der Königin, ist dies keine Option. Als junge Frau, über deren Vergangenheit nicht viel bekannt ist, hat sie ihr Leben vollständig der Königin verschrieben. An deren Seite, ist sie überzeugt, ist sie auch vor der Französischen Revolution in Sicherheit. In 100 Minuten zeigt Benoit Jacquot jene vier Tage, welche das Ende der französischen Monarchie bezeichnen, von einer anderen Seite. Wie jene, welche in Versailles lebten, verlässt der Zuschauer, bis auf die Schlussszene den Schauplatz Versailles nie. Die Realitätsfremde dieser Gesellschaft wird so geradezu spürbar. Mit einem sorgfältig gestaltetem Setting ? grosse Teile des Filmes wurden auch tatsächlich in Versailles gedreht ? und prachtvollen Kostümen wird eine Gesellschaft gezeigt, welche von aussen nur so protzte, jedoch innerlich vom Zerfall schon längere Zeit angefressen war. Gleichwohl werden Sidonie und ihre Gefühle für Marie-Antoinette, die Königin, welche eine Vorliebe für schöne junge Frauen hegte, nie aus den Augen gelassen. Um schöne und kluge Frauen darzustellen, braucht es auch schöne und talentierte Schauspielerinnen: Tatsächlich scheinen Diane Krüger die Rolle der unnahbaren und wechselhaften Marie-Antoinette, und Léa Seydoux diejenige der vor Lebenskraft sprühenden und leicht naiven Sidonie Laborde direkt auf den Leib geschrieben zu sein. Ein faszinierender Film, dessen Wahrhaftigkeit man nie auch nur im Geringsten anzweifeln würde.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Jean-Marc Vallée
CAST:
Vanessa Paradis
Kevin Parent
Hélène Florent
Evelyne Brochu
Rosalie Fortier
PRODUZENT:
Pierre Even
SCRIPT:
Jean-Marc Vallée
KAMERA:
Pierre Cottereau
AUSSTATTUNG:
Patrice Vermette
KOSTÜME:
Ginette Magny
EFFEKTE:
Marc Cote
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



CAFÉ DE FLORE


Ein Film von Jean-Marc Vallée
Antoine könnte glücklicher nicht sein: Er ist stolzer Vater zweier Töchter, hat es mit seiner Leidenschaft für Musik als DJ zu Weltbekanntheit geschafft und ist über beide Ohren in seine neue Freundin verliebt. In ihr, ist er überzeugt, seine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch kann man zweimal in seiner Lebenszeit seinen Seelenverwandten finden? Denn Antoines Exfrau, grosse Jugendliebe und Mutter seiner zwei Töchter lässt ihn einfach nicht los. Und dann gibt es da noch eine zweite Liebesgeschichte. Im Paris der 60er Jahre schwört sich Jacqueline (Vanessa Paradis), ihrem Sohn Laurent trotz Trisomie alles zu ermöglichen. So schafft sie es auch, dass er mit sieben Jahren noch immer mit Gleichaltrigen die öffentliche Schule besuchen darf, wo er von allen akzeptiert wird. Doch dann taucht da eines Tages die neue Klassenkameradin Vero auf, die auch an Trisomie leidet. Vom ersten Tag an sind die beiden Kinder nicht mehr voneinander zu trennen, und das stellt Jacquelines ganzes Leben auf den Kopf. Auch wenn diese beiden Liebesgeschichten mehr als 40 Jahre auseinander liegen schafft es Jean-Marc Vallée, sie audiovisuell so gut zu verknüpfen, dass man gar nicht erst nach einer weiteren Verbindung sucht. Denn die Musik spielt in seinem Film eine der Hauptrollen. Inspirationsquelle und titelgebend ist CAFÉ DE FLORE von Matthew Herbert und die unter seinem Pseudonym Doctor Rockit veröffentlichte elektronische Version aus dem Jahr 2000. So wird das Lied im Film zu Antoines Repertoire als DJ. Und wenn Laurent im Film um "Café, maman!" bettelt, so meint er eben dieses Stück, welches fiktiv schon damals in den 60 Jahren den Musikmarkt beherrschte. Wenn diesjährig eine Rangliste meiner Lieblingsfilme erstellt werden soll, macht es CAFÉ DE FLORE unter die Top drei. Und das obwohl erst März ist!

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Christian Zübert
CAST:
Elmar Wepper
Mercan-Fatima Türköglu
Ivan Anderson
Özay Fecht
Bernd Regenauer
Stefan Kügel
PRODUZENT:
Dieter Ulrich Aselmann
Robert Marciniak
SCRIPT:
Christian Zübert
Ipek Zübert
Christian Zübert
KAMERA:
Jana Marsik
SCHNITT:
Mona Bräuer
TON:
Rainer Plabst
MUSIK:
Annette Focks
AUSSTATTUNG:
Johannes Sternagel
KOSTÜME:
Katharina Ost
VERLEIH:
Stamm Film AG
stammfilm.ch



DREIVIERTELMOND


Ein Film von Christian Zübert
Weil sie arbeitsbedingt verreisen muss, bringt Gülen ihre Tochter aus der Türkei für ein paar Wochen zu ihrer Grossmutter nach Nürnberg. Kaum allein mit ihrer Enkelin bricht die Grossmutter beim Beten zusammen und landet im Spital. Dort vergisst man im Trubel der Ereignisse die Enkelin der komatösen Patientin im Wartezimmer. Dass genau nun Taxifahrer Hartmut, welcher Hayat und deren Mutter am Vortag vom Flughafen zur Oma chauffierte, in ebendiesem Krankenhaus vorbeikommt, ist purer Zufall. Dass er, der mit kleinen Kindern eigentlich gar nicht viel anzufangen weiss, sich fortan um Hayat kümmert, ist dann aber allein der Verdienst des kleinen Mädchens. Kurzerhand setzt sie sich in sein Taxi und ist auf keine Art und Weise mehr zum Aussteigen zu bewegen. Vorerst mürrisch und ungehalten, wie es seine Art ist, nimmt sich Hartmut der Kleinen an. Doch bald schon entwickelt sich zwischen dem Mann, der erst gerade von seiner Frau verlassen selber in einer Krise steckt, und dem hilflosen Mädchen eine heitere Zweckgemeinschaft, die beiden gut tut.
Christian Zübert behandelt in seinem Film DREIVIERTELMOND auf sehr schöne und leichte Weise die Probleme und Vorurteile, welche bei einem Zusammentreffen verschiedener Kulturen entstehen können. Gleichwohl zeigt er aber auch, dass genau jene Vorurteile abgelegt werden können, und dass man in manchen Fällen von der Unbekümmertheit der Kinder am meisten lernen kann. Solch eine Geschichte kann nicht erzählt werden, ohne zwischendurch auch komisch zu sein. Sei es, dass Hartmut, in der Absicht dem Auto des neuen Freundes seiner Frau einen Kratzer zu verpassen, dieses gleich in den Strassengraben schubst, oder Hayat den "lieben Onkel" Hartmut in ihrer sprachlichen Unkenntnis fröhlich mit "Nazi" anspricht: Es wirkt erfrischend lustig. Überhaupt ist die Unverdrossenheit, mit welcher die türkisch sprechende Hayat (Mercan Türkoglu) deutsch radebricht, herzallerliebst und diese Geschichte um den frustrieren Kerl, der in der Begegnung mit einem Kind die sonnigen Seiten des Lebens langsam wieder entdeckt, geht einem so richtig ans Herz.

Zoë Genhart

 


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REGIE:
Gustavo Taretto
CAST:
Pilar López de Ayala
Inés Efron
Carla Peterson
Rafael Ferro
Javier Drolas
Adrián Navarro
Romina Paula
PRODUZENT:
Natacha Cervi
Hernán Musaluppi
SCRIPT:
Gustavo Taretto
KAMERA:
Leandro Martínez
SCHNITT:
Pablo Mari
Rosario Suárez
TON:
Catriel Vildosola
MUSIK:
Gabriel Chwojnik
AUSSTATTUNG:
Romeo Fasce
Luciana Quartaruolo
KOSTÜME:
Flavia Gaitán
VERLEIH:
Trigon-Film
trigon-film.org



MEDIANERAS


Ein Film von Gustavo Taretto
In vier, nach den Jahreszeiten benannten Kapiteln erzählt Gustavo Taretto in Medianeras über die Anonymität von Grossstädten. Seine beiden Hauptfiguren, Martín und Mariana, haben beide mit dieser Anonymität zu kämpfen. Martín ist ein Computerfreak, der mit tausend Neurosen kämpft, und hat, seit er von seiner Freundin verlassen wurde, die Wohnung praktisch nie mehr verlassen. Und wenn, dann nur mit seinem Rucksack, welchen er für alle (Not-)Fälle ausgerüstet hat. Nur wenige Meter entfernt, im Wohnblock gleich gegenüber, versucht Mariana ihr Leben, welches sich nach der Trennung von ihrem Freund in Kisten in ihrer neuen Wohnung stapelt, zu ordnen. Immer wieder mit der Möglichkeit eines Soziallebens konfrontiert, verhindern deren beider Phobien und Neurosen dieses aber gleich wieder. So irren und suchen beide weiter im endlos grossen Buenos Aires herum, genauso wie Mariana, die in Bilderrätselbuch "Wo ist Walter" nach Jahren immer noch nach Walter in der Grossstadt Ausschau hält. Wiedergespiegelt wird diese Suche in der Architektur von Buenos Aires, welcher viel Zeit in Medianeras gewidmet ist. In faszinierend schönen Bildern wird die Hässlichkeit oder die Schönheit der Hässlichkeit dieser Grossstadt gezeigt. Zugleich verwendet Gustavo Taretto auch immer wieder Animationssequenzen, welche visuell an "Wo ist Walter" angelehnt sind, um den Zufall, welcher Martín und Mariana immer wieder aneinander vorbeiirren lässt, zu zeigen. Zusammen mit den Schauspielern Javier Drolas und Pilar López de Ayala, welche grossartige Leistungen bringen, ist Gustavo Taretto ein zärtlicher Film gelungen, der die Anonymität von Grossstädten perfekt spiegelt und gleichwohl diese Anonymität so schön darstellt, dass die Einsamkeit fast vergessen geht.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Aki Kaurismäki
CAST:
André Wilms
Kati Outinen
Jean-Pierre Darroussin
Blondin Miguel
Elina Salo
Evelyne Didi
PRODUZENT:
Aki Kaurismäki
SCRIPT:
Aki Kaurismäki
KAMERA:
Timo Salminen
SCHNITT:
Timo Linnasalo
TON:
Tero Malmberg
AUSSTATTUNG:
Wouter Zoon
KOSTÜME:
Frédéric Cambier
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



LE HAVRE


Ein Film von Aki Kaurismäki
Wenn überall von Flüchtlingspolitik und Ausschaffungsgefängnissen geredet wird, so lässt das auch das Kino nicht kalt. Vom Regisseur selbst als unrealistisch bezeichnet, ist Aki Kaurismäkis LE HAVRE ein ungemein berührender Beitrag zu dieser topaktuellen Problematik.
Der Lebenskünstler Marcel Marx (André Wilms) führt mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen) und dem Hund Laïka in der Hafenstadt Le Havre das beschauliche Leben eines Schuhputzers. Bis zu dem Tag, als Arletty unverhofft zusammenbricht und im Spital landet und Marcel dem afrikanischen Flüchtlingsjungen Idrissa über den Weg läuft. Idrissa wird gesucht. Statt diesen zu verraten, nimmt sich Marcel des Jungen an und versteckt ihn vor der Polizei, vor allem vor Kommissar Monet. Gemeinsam mit seinen hilfsbereiten Nachbarn setzt Marcel alles daran, Idrissa den Weg an sein eigentliches Ziel, dem über dem Ärmelkanal liegenden England wo sich seine Verwandten befinden, zu ermöglichen.
LE HAVRE ist genauso genial simpel, wie der Name der titelgebenden französischen Hafenstadt in der er spielt. Der Film überzeugt mit grossartig komischen Szenen und einer beglückenden Märchenhaftigkeit. André Wilms in der Rolle von Marcel ist in seiner liebenswürdigen Verschrobenheit nicht zu betrüben. Aki Kaurismäki schafft es mit leichter Hand und viel Humor ein sonst oft bedrückendes Thema in ein derart erheiterndes und menschliches Licht zu rücken, dass es uns unmöglich ist, nicht an das Gute im Menschen zu glauben - zumindest bis zu den nächsten Nachrichten.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Pierre Salvadori
CAST:
Audrey Tautou
Nathalie Baye
Sami Bouajila
SCRIPT:
Benoît Graffin
Pierre Salvadori
KAMERA:
Gilles Henry
SCHNITT:
Isabelle Devinck
TON:
Michel Casang
KOSTÜME:
Virginie Montel
EFFEKTE:
Cédric Fayolle
VERLEIH:
Frenetic Films AG
frenetic.ch



DE VRAIS MENSONGES


Ein Film von Pierre Salvadori
Alles beginnt mit einem anonymen Liebesbrief, den die Coiffeur-Salon Besitzerin Emilie zugeschickt bekommt. Verfasst hat diesen Emilies Angestellter Jean, der dann per Zufall auch beobachtet, wie Emilie diesen Brief liest und in den Papierkorb wirft. Was Jean aber nicht mitbekommt ist, wie Emilie nach einem Treffen mit ihrer Mutter den Brief kurzerhand aus dem Müll fischt, abtippt und, wiederum anonym, an ihre Mutter weiter versendet. Diese nämlich lässt sich seit sie von ihrem Mann verlassen wurde total gehen und hat eine Aufheiterung dringend nötig. Tatsächlich erzielt der Brief die gewünschte Wirkung und Emilies Mutter erstrahlt in neuer Lebenslust. Doch bald kommt von ihrer Seite der Wunsch nach weiterer Bewunderung und Emilie sieht sich gezwungen ihr eigenes Schreibtalent unter Beweis zu stellen. Immer dichter strickt Emilie ihr Lügengeflecht und sieht sich innert kürzester Zeit mit der Tatsache konfrontiert, dass sie aus diesem Schlamassel ohne Jeans Hilfe so einfach nicht mehr rauskommt.
Wer wissen will, wie man sich selbst so richtig in eine missliche Lage bringt, der kann sich ein Beispiel an Emilie (eine Superrolle für Amélie-Darstellerin Audrey Tautou) nehmen. Sie macht aus falscher Selbstunterschätzung nun wirklich alles falsch, was man falsch machen kann; auch ihrem heimlichen Verehrer, Jean, gegenüber. Dennoch muss man sie einfach mögen. Und gleichzeitig wünscht man Jean, er möge doch eine Frau finden, die ihn wirklich verdient, was Emilie ganz und gar nicht tut. Aber was kann man anderes von jemandem erwarten, der wie Emilie eine hoch egozentrische Mutter hat?
Das ganze Liebeschaos spielt in der wunderschönen französischen Hafenstadt Sète in und um einen Coiffeur-Salon, für den ich, befände er sich in der Nähe, sofort den Friseur wechseln würde. Überhaupt verbreitet "De vrais mensonges" einen Charme, der einem garantiert mit guter Laune aus dem Kino kommen und bedenkenlos die nächste kleine Lüge verkünden lässt.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Jean-Pierre Améris
CAST:
Benoît Poelvoorde
Isabelle Carré
Lorella Cravotta
Lise Lamétrie
Swann Arlaud
Pierre Niney
Stéphan Wojtowicz
Jacques Boudet
PRODUZENT:
Nathalie Gastaldo
Philippe Godeau
SCRIPT:
Jean-Pierre Améris
Philippe Blasband
KAMERA:
Gérard Simon
SCHNITT:
Philippe Bourgueil
TON:
Jean-Pierre Duret
MUSIK:
Pierre Adenot
AUSSTATTUNG:
Sylvie Olivé
KOSTÜME:
Nathalie du Roscoat
EFFEKTE:
Thibaut Couwenbergh
VERLEIH:
Frenetic Films AG
frenetic.ch



LES ÉMOTIFS ANONYMES


Ein Film von Jean-Pierre Améris
Was die Anonymen Alkoholiker für den Alkoholabhängigen sind, sind die "émotifs anonymes" für Menschen, die unter Soziophobie leiden. Angélique (Isabelle Carré) und Jean-René (Benoît Poelvoorde) kennen beide diese Ängste und haben noch nicht gelernt, mit ihnen umzugehen. Letzterer ist Besitzer einer Schokoladen-Fabrik, die kurz vor dem Bankrott steht. Um diesen zu verhindern, soll ein fünfter Angestellter, ein Öffentlichkeitsbeauftragter, her: Angélique. Jene aber bewarb sich unter der Annahme, einen Job als Chocolatière zu bekommen und befindet sich nun in der misslichen Lage, dass sie den Irrtum eigentlich aufklären will, ihre Soziophobie dies aber nicht zulässt. Hilfe, um diese sozialen Ängste zu überwinden, sucht sie sich bei den "émotifs anonymes". Jean-René besucht derweilen immer wieder seinen Psychiater. Dieser stellt ihm immer wieder neue Aufgaben, die ihn an seine Grenzen bringen. Zum Beispiel jemanden in ein Restaurant einladen. Und wen gibt es dafür idealeres, als seine neue Angestellte, Angélique?
Ein für die Betroffenen sehr unangenehmes Thema führt erstaunlicherweise (im Kino?) immer wieder zu sehr lustigen Geschichten. Da macht auch Les émotifs anonymes keine Ausnahme. Dabei bleibt der Film aber stets sehr liebevoll, nur schon bei der Zeichnung der einzelnen Charaktere. Dazu kommt, dass die beiden Darsteller, Isabelle Carré und Benoît Poelvoorde, ihre Rollen richtig zu leben scheinen. Isabelle Carré als unbeholfene Angélique ist einfach nur liebenswürdig, und Benoît Poelvoordes Darstellung des soziophoben Chocolatiers, der sich seinen Ängsten zu stellen versucht, verursacht Lachkrämpfe. Und wenn sich jemand fragt, ob, und wenn, wie eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen, welche unter Soziophobie leiden, funktioniert, wird seine Antwort bestimmt in Jean-Pierre Améris' Les émotifs anonymes finden.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Julie Bertucelli
CAST:
Charlotte Gainsbourg
Marton Csokas
Christian Byers
Morgana Davies
Arthur Dignam
SCRIPT:
Judy Pascoe
KAMERA:
Nigel Bluck
SCHNITT:
François Gédigier
TON:
Olivier Goinard
Olivier Mauvezin
MUSIK:
Grégoire Hetzel
AUSSTATTUNG:
Steven Jones-Evans
KOSTÜME:
Joanna Park
EFFEKTE:
Felix Crawshaw
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



The Tree


The Tree
Australische Filme bzw. Filme, die in Australien spielen, üben eine gewisse Faszination aus. Zumindest bei denjenigen unter uns, die noch nie ans andere Ende der Welt gereist sind. Eine Natur, die in einem Moment bezaubert, im nächsten Augenblick aber gleich schon bedrohlich ist. Davon bekommt man auch eine gute Portion in THE TREE von Julie Bertuccelli zu sehen.

Peter stirbt eines Tages unverhofft an einem Herzinfarkt. Er hinterlässt seine Frau Dawn (Charlotte Gainsbourg) und ihre vier gemeinsamen Kinder, die nun schutzlos dem eigennützigen Einfluss der Nachbarn ausgeliefert sind. Trotz deren demotivierenden Unterstützung rafft sich Dawn nach kurzer Zeit auf und nimmt zum ersten Mal in ihrem Leben einen Job an. Bald schon entwickelt sich zwischen ihr und ihrem Arbeitsgeber George mehr als nur Freundschaft. Derweilen will die achtjährige Tochter Simone, allerliebst gespielt von Morgana Davies, im riesigen Feigenbaum auf dem familieneigenen Grundstück die Wiederkehr ihres Vaters Seele sehen, ev. besser: erkennen. Von der Familie seit jeher geschätzt und gegen die Nachbarn verteidigt, erhält der Baum nun auch für die von ihrer Tochter ins Geheimnis eingeweihte Dawn eine neue Bedeutung. Was folgt, ist einerseits der Kampf um den Baum gegen die Nachbarn, die Natur und die Vernunft, und anderseits die Auseinandersetzung zwischen Dawn und ihrer auf George eifersüchtigen Tochter Simone...

Sehr schön zeigt Julie Bertuccellis Adaption von Judy Pascoes Roman Our Father who Art in the Tree, wie die verschiedenen Familienmitglieder mit dem Verlust des Vaters/Ehemanns umgehen. Wenn Dawn den monströsen und sperrigen Ast, der vom Feigenbaum abgefallen ist und ihr Schlafzimmer in ein Freiluftzimmer verwandelt hat, mehrere Tage über ihrem Bett liegen lässt, so kann dies einem genauso fremd sein wie Down Under. Doch genau diese Fremdartigkeit, diese Gleichgültigkeit gegenüber, vielleicht eher: Akzeptanz der Natur und des Lebens ist es, was so fasziniert an diesem Film. Fast wünscht man sich, das eigene Leben wäre genau so unbeschwert wie das besser: dieser Filmfamilie. Abgesehen natürlich vom Verlust des Vaters/Ehemannes. Oder zumindest wünscht man sich, man hätte doch als Kind einen genauso tollen Baum zum Spielen gehabt.

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Xavier Dolan
CAST:
Xavier Dolan
Niels Schneider
Monia Chokri
Anne Dorval
PRODUZENT:
Xavier Dolan
Carole Mondello
Daniel Morin
SCRIPT:
Xavier Dolan
KAMERA:
Stéphanie Anne Weber Biron
TON:
Sylvain Brassard
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



Les Amours imaginaires


Ein Film von Xavier Dolan
Um als junge Filmliebende für andere junge Filmliebende einen Film zu besprechen, was gibt es da Besseres, als den Film eines jungen Regisseurs zu besprechen? Als grosser Fan seines Erstlingswerk, "J'ai tué ma mère", war mir klar, dass der zweite Spielfilm von Xavier Dolan besprochen werden muss: "Les amours imaginaires".
Wie man am Titel richtig erkennt, geht es in diesem Film um die Liebe. Natürlich um die komplizierte Liebe. Francis und Marie verlieren beide ihr Herz an den Schönling Nico. Während sich zwischen ihnen und Nico eine Freundschaft entwickelt versuchen sich die einst besten Freunde immer verbitterter gegenseitig auszustechen. Das Ganze spielt in Kanada und zieht folglich einen Akzent mit sich, dem man mit Schulfranzösisch überhaupt nicht bei zu kommen mag und sich ganz auf die Untertitel verlassen muss. Dafür bekommt man aber auch wunderschöne Landschaftsbilder geboten, und spätestens wenn sich Francis und Nico ringend im kanadischen Laub wälzen und dazu "Keep the Streets Empty for Me" von Fever Ray ertönt, verliebt man sich selber ein bisschen. In den Film.
Wer ein Blick auf die Credits wirft, wird bemerken, dass in fast der Hälfte aller aufgelisteten Posten der Name des jungen Regisseurs selber auftaucht: Xavier Dolan. So besetz er, wie schon in "J'ai tué ma mère", nebst den Rollen des Regisseurs, des Drehbuchautores, des Produzenten und weiss nicht wie vielem mehr auch noch eine der drei Hauptrollen. Jeder anderen Person würde man das übelnehmen und sie und den Film als eingebildet und selbstverliebt abstempeln. Wohl trifft diese Beschreibung auch in diesem Fall zu, doch Xavier Dolan verzeiht man dies gleich wieder, da er sein Handwerk (oder seine Handwerke) wirklich versteht. Und ausserdem wäre es doch schade, würde er nur hinter der Kamera sitzen und nicht auch überdimensional über die Leinwand schwirren: der Typ ist wirklich hübsch und charmant.
"Les amours imaginaires" kommt genauso jung rüber wie seine Schauspieler (die übrigens alle privat miteinander befreundet sind) und steht seinem Vorgänger "J'ai tué ma mère" in überhaupt nichts nach.

Zoë Genhart

 


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REGIE:
Bent Hamer
CAST:
Nina Andresen Borud
Trond Fausa Aurvaag
Arianit Berisha
Joachim Calmeyer
Levi Henriksen
Patrick Mölleken
PRODUZENT:
Bent Hamer
SCRIPT:
Bent Hamer
KAMERA:
John Christian Rosenlund
SCHNITT:
Pål Gengenbach
TON:
Petter Fladeby
MUSIK:
John Erik Kaada
EFFEKTE:
Matthias Albrecht
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



Home for Christmas


Hjem til jul
Dass es gegen Weihnacht zu geht, erkennt man auch am Kinoprogramm. Für einmal im Jahr taucht im Programm ein Filmgenre auf, das da sonst nicht anzutreffen ist: der Weihnachtsfilm. Dieses Jahr ist einer dieser Filme "Home for Christmas" von Bent Hamer. Anhand einer Hand voll Geschichten, die alle an einem tief verschneiten Heiligabend spielen, wird ein realitätsgetreueres Bild der Weihnachtszeit gezeigt, als man in manch anderem Film zu sehen kriegt. Da gibt es einerseits den frisch hinausgeworfenen Vater, dem die Ex-Frau den Besuch bei seinen Kindern verweigert. Es gibt den Obdachlosen, der mit einem Zettel, auf dem "Home for Christmas" steht, um Kleingeld für ein Zugticket bettelt. Ein halbwüchsiger Junge bleibt dem Familienfest fern, eine Frau hat Probleme mit ihrem verheirateten Geliebten. Und in einer Hütte im Wald wird einem Ehepaar auf der Flucht ein "Christkind" geboren. Tönt alles sehr kompliziert und vielschichtig. Doch alle Geschichten werden durch einen zarten Strang und kleine Überschneidungen zusammen gehalten. Auch spielen all diese Geschichten in Skogli einer kleinen Ortschaft in Norwegen. Da der Film in Skandinavien spielt, beschränkt sich die Finsternis an diesem einen Weihnachtstag nicht nur auf die Nacht. Dadurch fehlt einem als Zuschauer jegliches Zeitgefühl, was dem Film aber eine sehr faszinierende Wirkung verleiht. Auch sorgen diese nordischen Lichtumstände für das Naturspektakel, welches man ganz zum Schluss des Filmes gezeigt bekommt: Nordlichter.

Alles in allem ist "Home for Christmas" ein sehr berührender Film, der uns alternativ zu all den kitschigen Hollywoodstreifen bestätigt, dass Weihnachten nicht nur ein Fest der Freude ist. Wenn man sich einen Weihnachtsfilm ansehen soll, dann dieses Jahr sicher "Home For Christmas" von Bent Hamer.

Zoë Genhart

 


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REGIE:
Sam Taylor Wood
CAST:
Aaron Johnson
Kristin Scott Thomas
Thomas Sangster
Anne-Marie Duff
David Morrissey
PRODUZENT:
Robert Bernstein
Kevin Loader
Douglas Rae
SCRIPT:
Matt Greenhalgh
KAMERA:
Seamus McGarvey
SCHNITT:
Lisa Gunning
TON:
Kevin Penney
Martin Trevis
MUSIK:
Alison Goldfrapp
Will Gregory
AUSSTATTUNG:
Alice Normington
EFFEKTE:
Samantha Tracey
VERLEIH:
Elite Film AG
ascot-elite.ch



Nowhere Boy


Ein Film von Sam Taylor Wood
Musikfilme sind super. Haben sie dazu noch mit den Beatles zu tun erst recht. Da ist auch Sam Taylor-Woods "Nowhere Boy" keine Ausnahme. Der Film behandelt die eher unbekannte Jugend John Lennons, und zeigt eine andere Seite des in den späteren Jahren eher ruhigen Friedenskämpfers. Die Geschichte beginnt vor der Entstehung der Beatles. Aufgewachsen bei seiner Tante und seinem Onkel sucht John Lennon nach dem Tod seines Onkels seine Mutter auf. Zwischen seiner Tante und seiner Mutter stehend entwickelt er seinen Musikgeschmack und die Beatles nehmen ihre ersten Formen an. Dem entsprechend ist der Soundtrack des Filmes gestaltet. Bis zum Schluss werden Beatles-Stücke nur angedeutet und der Schwerpunkt liegt auf der Musik, die Einfluss auf John Lennon, und so auch auf die Beatles, nahm. Dies hat aber keineswegs negative Auswirkungen auf den Film. Ganz im Gegenteil. Der Soundtrack unterstreicht, dass es sich nicht um ein Bandportrait handelt, sondern um das komplexe Drama der Familie, aus welcher der Begründer einer der berühmtesten Bands der Welt hervorging. Musiker brauchen, wie man weiss, Musikinstrumente (abgesehen von Sängern). So bekommt man in "Nowhere Boy" denn auch einige schöne Gitarren zu sehen. Und wenn dann Mimi, die Tante von John Lennon, seine erste Gitarre als Erziehungsmassnahme verkauft, würde man jegliche Racheaktion von John Lennon verstehen. Doch der Film hat nicht nur gute Musik und schöne Gitarren zu bieten, sondern auch eine hervorragende Besetzung. Jeglicher Hype um Aaron Johnson (im Film John Lennon) ist verständlich, nachdem man den Film gesehen hat. Auch Kristin Scott Thomas und Anne-Marie Duff nimmt man ihre Rollen als Schwestern mehr als nur ab; sie sind eindeutig einer der hervorragendsten Punkte des Filmes. Des Weiteren empfiehlt sich für alle, den Film in der Originalfassung anzusehen, auch wenn man kein Wort versteht. Der Liverpooler-Akzent ist es wert.

Zoë Genhart

 


Dieser Film ist zur Zeit nicht (mehr) im Programm
   


REGIE:
Rainer Hoffmann
Anne Linsel
CAST:
Pina Bausch
PRODUZENT:
Gerd Haag
Anahita Nazemi
SCRIPT:
Anne Linsel
KAMERA:
Rainer Hoffmann
SCHNITT:
Mike Schlömer
TON:
Tim Dohnke
Thomas Keller
Tobias Linsel
Paul Oberle
VERLEIH:
Filmcoopi
filmcoopi.ch



Tanzträume


Jugendliche tanzen "Kontakthof" von Pina Bausch
Ein Stück aus dem Jahr 1978, über 40 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und das Ziel, in weniger als einem Jahr Premiere zu feiern: Dies war das Projekt, welches die am 30. Juni 2009 unerwartet verstorbene Pina Bausch 2008 in Wuppertal realisierte. Es war in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Pina Bausch hatte "Kontakthof" bis dahin verschiedentlich mit Profitänzern und erwachsenen Laien aufgeführt, noch nie aber mit Jugendlichen. Aber auch für die über 40 Jugendlichen bedeutete dieses Projekt Neuland. Die wenigsten von ihnen hatten zu Beginn der Proben Tanzerfahrung.

Der Film "Tanzträume" lässt uns teilhaben, an diesem einmaligen Projekt, und ist dabei sicherlich nicht nur für Tanzbegeisterte sehenswert. In vielen Szenen wird man sich selbst wieder erkennen. Denn jeder kennt die Schüchternheit, welche einen hindert das zu tun, wozu die Jugendlichen bei diesem Projekt immer wieder ermuntert wurden: Über die Scham hinwegzusehen und aus sich heraus zukommen. Dies gilt für jeden einzelnen dieser 40 Jugendlichen, die unterschiedlichster Herkunft sind und verschiedensten Szenen angehören. So sieht man vom schüchternen Mädchen bis zum sonst so "krassen" Hip Hopper alle im Ententanz durch den Raum tanzen. Rührend wird in "Tanzträume" auch gezeigt, wie die Jugendlichen sich zuerst unbeholfen gegenseitig in den Haaren herum wuscheln, um schlussendlich ihre Berührungsängste zu überwinden und sich auch in schwierigen Szenen wie professionelle Tänzer und Schauspieler zu verhalten. Immer wieder lässt der Film die Jugendlichen selbst zu Wort kommen und von ihren Liebeserfahrungen aber auch von kleineren und grösseren Verlusten des Lebens berichten.

Den Regisseuren Anne Linsel und Rainer Hoffmann sind mit "Tanzträume" zwei Sachen geglückt: Eine ehrwürdige Hommage an die bedeutende Tänzerin und Choreographin Pina Bausch und gleichzeitig ein spannender Einblick in die Psyche der heutigen Jugend.

Zoë Genhart

 


 
 
LunchKino
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DER IMKER
 
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Premiere
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